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WIE & WO IST HIPHOP ENTSTANDEN?

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Um HipHop verstehen zu können, muss man den Ort kennen, in dem diese Kultur geboren ist. Dazu ein Zitat von Tricia Rose (Dozentin für Afrikanische Studien an der Universität New York) zur Entwicklung der Bronx, vor der Entstehung der HipHop-Kultur:

 

„Zwischen den 30er- und späten 60er-Jahren ließ der legendäre Städteplaner Robert Moses eine Reihe öffentlicher Bauprojekte durchführen. Highways, Parks und Wohnanlagen entstanden, die das Profil von New York City nachhaltig veränderten. 1959 begannen Stadt-, Staats- und Bundesbehörden mit der Ausführung des Cross-Bronx-Expressway, der mitten durchs Herz der ärmsten und am dichtesten bevölkerten Wohngebiete der Bronx führen sollte. Obwohl der Expressway problemlos um die proletarischen Wohngemeinden hätte herumgeführt werden können, wählte Moses einen Verlauf, der den Abriss hunderter Wohn- und Geschäftsgebäude notwendig machte. Das von Moses entworfene Programm zur Beseitigung der "Slums" erzwang die Umsiedlung von ca. 170000 Menschen. Was Moses "Slums" nannte, waren alte Arbeiterwohnviertel, dicht besiedelte, stabile nachbarschaftliche Gemeinschaften" (Rose 1997, S. 146)

Die Bronx während der Konstruktion des Cross-Bronx-Expressway (Bildquelle)

Der umstrittene und bekannte Städteplaner Robert Moses (Bildquelle)


Basiert auf der miesen  Entwicklung in der Bronx und anderen Stadtvierteln, entsteht eine neue Jugendkultur, die sich im Namen der Unterdrückung gegen Minderheiten etabliert. 

 

„Die HipHop-Kultur war in den 70er-Jahren eigentlich nur eine alternative Partyform jugendlicher Ghettokids, preiswert selbstorganisiert und fernab vom langweiligen Rock- und Disco-Mainstream der weißen Jugendlichen, so begannen DJs und MCs nun damit, Rap als Darstellungsform für die brutale Ghetto-Realität zu nutzen. Ihr Ziel: die sinnlose, selbstzerstörerische Gewalt und Drogenflut einzudämmen und kreativ umzulenken. Statt sich gegenseitig umzubringen, motivierten sie die Gangs, ihre Rivalitäten in Verbal Contests und DJ-Battles auszutragen, sprühten ihre erfahrungsgesättigten Warnungen vor exzessivem Drogenkonsum an die Wände (...)“

„(...) Es ging also weiterhin um Wettbewerb, um Konkurrenz. Doch die sollte anders ausgetragen werden als bisher. Kreativität als Waffe. Wer zukünftig den Respekt - ein Schlüsselwort nicht nur in der HipHop-Kultur - seiner Community erhalten wollte, musste ihn mit Worten, Farben, Tanzen und Musik erarbeiten, nicht mit der Pumpgun.“

 

Mit Worten meint man nichts anderes, als Rap. Dieser diente als eine Art Ventil für Jugendliche, die sich damit entfalten konnten. Sie haben ihre Wut -im wahrsten Sinne des Wortes- in Worte gefasst und somit kreativ umgesetzt.  

 

„(...) Rap bedeutete vor allem "Lust an Kommunikation, endloses Reden und Argumentieren". Und egal, ob die Texte von Sex, Drogen, Geschlechtskrankheiten, Armut oder Kriminalität handelten, sie spiegelten immer den Alltag und die (Alp-)Träume der schwarzen Unterschicht Nordamerikas wider, der die Rapper selbst angehörten. Rap verknüpfte so in modernem Gewand zum Teil jahrhundertealte Traditionen schwarzer Geschichtsschreibung, die zumeist eine illegal und damit mündlich überlieferte war: von den Griots, den spöttischen Geschichte(n)-Erzählern und -Sängern Westafrikas, über den Scat-Gesang des Bebob bis zum Gospel schwarzer Prediger. Dabei war die Sprache des Rap subversiv. Begriffe aus der (weißen) Herrschaftssprache bekamen im Kontext eines Rap-Songs eine völlig andere Bedeutung, enthüllten ihren wahren Sinn; Doppeldeutigkeiten oder die extremen Übertreibungen beim "Signifying" waren nur für die Angehörigen derselben Stadtviertel zu decodieren. Rap war Musik und Aufklärung aus dem Ghetto für das Ghetto.“ 

 

Es dauerte nicht lange bis Rap sich in Deutschland etablierte.  Mit dem Song „der Kommissar“ hat die österreichische Legende „Falco“ die Anfänge des deutschen HipHops eingeleitet. Allerdings siehst er sich selbst weit von HipHop entfernt. Darüber sprach die Legende 1996 mit der FM4-Sendung „Tribe Vibes“ über Hip-Hop:

 

„I hob den Kommissar net aufgenommen, weil i Hip-Hop hab machen wollen, sondern weil i ma dacht hab, ah es ist irgendwie geil, deutsche Sprache zu rappen. Des hat no kana gmocht und als Rhythmiker, Bassist, Schlagzeuger und analog gelernter Musiker kann ich das irgendwie und des is so reingegangen, dass i mir docht hob: Jo Moment! Aber mit der politischen Aussage des Hip-Hop in dem Sinn hab i genauso wenig zu tun wie mit der Kunstfigur, die mir immer angedichtet worden ist (...)“ 


Viel mit HipHop zu tun haben die Heidelberger Rapper Frederik Hahn (Torch), sowie seinen Band-Kollegen Toni Landomini (Toni L). Diese waren zumindest in der ersten Reihe, wenn es darum geht, wann HipHop seine Anfänge in Deutschland fand. 

 

„Heidelberg hat eine riesengroße Rolle für die Entwicklung der deutschen Hip-Hop-Szene in der Anfangszeit gespielt. Man kann auf jeden Fall sagen, dass es lange vor Berlin, Stuttgart und anderen Großstädten das Mekka des deutschen Hip-Hop war – oder das Zentrum“, sagt der Musikjournalist Davide Bortot

 

„Die persönlichen Gegenstände, die ich heute der Stadt Heidelberg anvertraue, haben mich in unterschiedlichen Phasen meines Lebens begleitet und in meiner Entwicklung als Künstler geprägt. Der Schritt fällt mir nicht leicht, doch gleichzeitig freue ich mich, dass die Stadt sich damit zu Hip-Hop als Teil ihres kulturellen Erbes bekennt. Die Aufnahme ins Archiv ist nur das erste Kapitel unserer Mission. Jetzt gilt es den Bestand zum Leben zu erwecken!“, 

 

erklärte Torch in einem Schreiben in Bezug auf seine Übergabe der Materialien an die stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs, Diana Weber, und die Leiterin des Kulturamts der Stadt Heidelberg, Dr. Andrea Edel. Als Vertreter der deutschen Hip-Hop-Gründergeneration war Rapper Toni-L bei der Übergabe ebenfalls dabei. Toni L. ist vielen als Mitglied der 1987 in Heidelberg gegründeten Rap-Formation Advanced Chemistry bekannt ist. Auch von ihm übernimmt das Stadtarchiv persönliche Gegenstände.

Rapper Toni L. übergibt seine Sammlung. (Bildquelle)

Rapper Toni L. posiert mit seiner Sammlung von der Übergabe. (Bildquelle)


„Seit Mitte der 90er Jahre gehört die Hip-Hop-Szene zu den populärsten Jugendkulturen in Deutschland. (...) Vor allem Berliner Rapper wie Sido und Bushido fallen durch ihre Inszenierung als „Gangster aus deutschen Großstadtghettos“ auf. Doch dieser Randbereich einer Subkultur steht an der Spitze der Charts, über den wird berichtet, der füllt derzeit die Hallen und bleibt in den Köpfen haften.“

 

In den 2000ern wird Hip-Hop unter Aggro Berlin, Samy Deluxe, Azad, Kool Savas oder den Beginnern zur Jugendkultur und Mainstream, der auf Schulhöfen und in der Bravo stattfindet. Wie es in der deutschen HipHop-Szene seit dem läuft, dürfte vielen schon bekannt sein. Rapper wie Kool Savas, Sido oder Bushido haben sich mit anderen Rappern zusammengeschlossen, Talente entdeckt und die HipHop-Kultur deutschlandweit verbreitet. Das heutige Ergebnis dürfte zwar umstritten sein, aber Erfolg hat es auf jeden Fall. 

Quellen:

  • https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/jugendkulturen-in-deutschland/36294/einfuehrung
  • https://www.bundespruefstelle.de/blob/129476/157ac10f1f60cfbd2eaa4c4581ffec50/bpjm-thema-hip-hop-data.pdf
  • https://www.deutschlandfunkkultur.de/geschichte-des-deutschrap-rapper-torch-spendet-gegenstaende.976.de.html?dram:article_id=471686

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Kommentare: 4
  • #1

    Hiphopkid (Sonntag, 29 November 2020 19:21)

    Sehr informativ!!! Danke ;)

  • #2

    Sechstape (Sonntag, 29 November 2020 22:05)

    Top‼️ Mehr davon!

  • #3

    Safeee (Montag, 30 November 2020 01:26)

    Guter Artikel �

  • #4

    Guido30 (Samstag, 05 Dezember 2020 17:56)

    Fakt ist, Falco hat den deutschen hiphop ins Rollen gebracht � ansonsten guter Beitrag!